PRESSE

Grafschafter Nachrichten vom 21.11.2006

Die Teufelsfrucht

Heimtückische Frauen haben keine Vorbilder

BUCH Nordhornerin Joana Brouwer legt Grafschaft-Krimi vor

"Die Teufelsfrucht" heißt der erste Regional-Krimi, der in der Grafschaft und im Emsland spielt. Die Nordhorner Autorin Joana Brouwer hat sich eine spannende Story ausgedacht und lässt in der sonst so beschaulichen Provinz Sadisten und andere Verbrecher für Unheil sorgen.

VON DAGMAR THIEL
NORDHORN – "Einen Krimi, der hier in der Region spielt, hat es bislang noch nicht gegeben", sagt Joana Brouwer. Es habe sie einfach gereizt, eine Handlung vor der eigenen Haustür spielen zu lassen. Die gebürtige Veldhauserin ging mit offenen Augen durch die Grafschaft und das Emsland und entwickelte Szenen für ihren Krimi. Wert legt die Autorin aber auf die Feststellung, dass ihre Figuren reine Fantasieprodukte sind. Für brutale Männer, heimtückische Frauen oder verliebte Paare gebe es keine konkreten Personen als Vorbilder – "auch wenn mich manche Leser schon danach gefragt haben", schmunzelt die Autorin.
"Schreiben ist mein Traum, seit ich 16 bin. Ich musste nur so lange warten, bis ich Zeit hatte und die Kinder groß waren", sagt die 55-Jährige, die mit ihrem Mann in Nordhorns City wohnt. Joana Brouwer war erst im Schuldienst tätig und arbeitete später im Architekturbüro ihres Mannes. Anfang dieses Jahres veröffentlichte sie ihr erstes Buch, den zeitgeschichtlichen Roman "Wenn die Sonne weggegangen", der während der Nazizeit spielt. "Hier habe ich gemerkt, dass mir gerade die kriminalistischen Dinge Freude machen", erzählt sie. Sie beschloss, dass das nächste Buch ein kompletter Krimi sein sollte und erfand die Figur der Osnabrücker Privatdetektivin Heide von der Heide.
Im richtigen Leben heißt die Autorin nicht Joana, sondern Friedel Brouwer. "Friedel gibt es ausschließlich in der Grafschaft als weiblichen Vornamen, sonst heißen nur Männer so", sagt sie. Nach Ansicht ihres Verlags sollten Leser aber sofort erkennen können, dass das Buch von einer Frau verfasst wurde. Friedel Brouwer wählte deshalb eine moderne Variante ihres zweiten Vornamens Johanna und schreibt nun als Joana Brouwer.
Insgesamt hat die Autodidaktin ein Jahr lang nahezu täglich an der "Teufelsfrucht" geschrieben. "Trotzdem war es keine Arbeit, sondern Leidenschaft", sagt sie. Als erstes stand das – schwierige – Thema des Krimis fest: Sadismus. Brouwer: "Das ist gar nicht so selten wie man vielleicht denkt. In der Zeitung lesen wir fast täglich über Tierquälerei, Kindesmisshandlung oder Folter im Irak. Für den Krimi hat mich die extremste Form von Machtausübung interessiert, die zum Töten führt."
Zur Vorbereitung des Krimischreibens gehörte daher auch die Lektüre von Fachliteratur über Formen des Sadismus. "Die sadistischen Szenen habe ich vor der Veröffentlichung aber auch von meinen drei Kindern absegnen lassen", erzählt die Autorin. Dass das Thema schwierig ist, war Joana Brouwer von Anfang an klar: "Ich wollte mich aber trauen, bis an die Grenze des Schreibens zu gehen", sagt sie über ihre drastisch beschriebenen Morde und Handlungen.
Zwar schildert sie vor allem zu Beginn des Buches die grausamen Verbrechen, in erster Linie interessiert sich Joana Brouwer aber für die Entwicklung ihrer Figuren. Bereits vor dem Schreiben habe sie die komplette Handlung und den Schluss im Kopf. "Es ist, als koche man nach Rezept und arbeite sich nach und nach zum Ende durch." Ein dicker Aktenordner auf ihrem Schreibtisch enthält alle Angaben zu den Krimi-Figuren und hat von Anfang an für eine klare Struktur gesorgt. "Ich lege vor dem Schreiben ihr Geburtsdatum fest, ihren Charakter, ihre Neigungen und ihr Aussehen", so Brouwer.
Ursprünglich wollte Joana Brouwer nur für ihre Familie schreiben. Doch nicht nur ihr wichtigster Ratgeber und Leser, ihr Mann Heinz, sondern auch ihre Kinder waren so begeistert, dass sich Joana Brouwer entschloss, einen Verlag zu suchen. Sie fand ihn nach kurzer Zeit in Münster. Der kleine Principal-Verlag hatte bereits ihr erstes Buch veröffentlicht und brachte jetzt auch "Die Teufelsfrucht" mit einer Erstauflage von 3000 Exemplaren auf den Markt.
Ans Ausruhen denkt Joana Brouwer übrigens keineswegs. Vom nächsten Heide-von-der-Heide-Krimi ist schon mehr als die Hälfte fertig. Erscheinen soll der zweite Fall der Detektivin voraussichtlich im Herbst 2007. "Ich habe den Stoff so angelegt, dass ich problemlos drei oder vier Krimis damit schreiben kann", erklärt Joana Brouwer.
Am Sonntag, 3. Dezember, liest die Autorin um 16 Uhr im Foyer des Marienkrankenhauses zum ersten Mal aus "Die Teufelsfrucht". Der Eintritt ist frei. (Siehe auch unten stehende Rezension.)

GRAFSCHAFTER NACHRICHTEN Dienstag 21.November 2006

Gut gemixter Cocktail aus Liebe, Eifersucht und Mord


Kriminalroman Privatdetektivin Heide von der Heide löst in Nordhorn ihren ersten Fall

VON DAGMAR THIEL

NORDHORN – Die auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Osnabrücker Detektivin Heide von der Heide hätte nicht im Traum daran gedacht, in einen verzwickten Mordfall hineinzuschlittern. Ausnahmsweise erhält sie den harmlosen Auftrag eines Klienten, seine Frau zu beschatten. Entsetzt stellt sie dann aber fest, dass es sich bei dieser Observierung um ihre Nordhorner Freundin Isabel aus Kindertagen handelt, die sie seit langer Zeit aus den Augen verloren hatte.
In ihrem ersten Fall versucht die Detektivin, die Fäden zu entwirren, die sich um den grauenvollen Mord an einer jungen Frau in Enschede und das geheimnisvolle Verschwinden einer blonden Studentin in Berlin gesponnen haben. Die Spuren, die sie hartnäckig verfolgt, führen allesamt nach Nordhorn, in die Grafschaft Bentheim und ins Emsland, wo ein Sadist sein Unwesen treibt.
Auf 272 Seiten hat die Nordhorner Autorin Joana Brouwer einen unterhaltsamen Lokal-Krimi geschrieben, in dem es nicht nur um Mord, sondern auch um Erpressung, Vergewaltigung, Eifersucht und Liebe geht. Insgesamt also ein gut gemixter Cocktail für einen Kriminalroman, der an Orten spielt, an denen jeder Grafschafter schon gewesen ist.
Mehr als einmal beschleicht den Leser das Gefühl, dass zwischen Uelsen, Nordhorn und Bad Bentheim vielleicht doch mehr Bösewichte als gedacht ihr Unwesen treiben. In Joana Brouwers Krimi begehen sie sogar sadistische und heimtückische Morde. Die Schilderungen der Taten sind zwar teilweise recht drastisch, insgesamt findet die Autorin aber eine ansprechende, erzählende Sprache, die ihre Figuren lebendig werden lässt. Sie flanieren durch die Kokenmühlenstraße in Nordhorn, kritisieren beim Abendessen das Fällen der Bäume an der Jahnstraße oder flüchten gar nachts spärlich bekleidet um den Vechtesee. Details wie diese machen das Buch gerade für Grafschafter lesenswert. Gute Orientierung bieten die Ortsangaben, mit denen jedes Kapitel überschrieben ist. Auch Gemeinden wie Eschebrügge dürften damit erstmals Eingang in die Krimi-Literatur gefunden haben.
Das Buch erfüllt wesentliche Anforderungen an einen guten Krimi: Dem Leser werden in mehreren Erzählsträngen verschiedene Geschichten präsentiert, die am Schluss doch alle miteinander zusammenhängen. Zwar deutet von Anfang an vieles auf einen Täter hin, ein weiterer Mord am Schluss und verschiedene Verwicklungen geben dem Buch aber überraschende Impulse. Joana Brouwer schafft es, den Leser über mehr als 200 Seiten zumindest teilweise auf die falsche Fährte zu locken. Gelungen ist ihr ein guter, leicht zu lesender Grafschafter Krimi, nach dem man sich schon auf das nächste Abenteuer mit Heide von der Heide freuen kann. Und vielleicht wird sich ja in dieser Folge klären, für welchen ihrer beiden Verehrer sich die sympathische Detektivin entscheidet.
Joana Brouwer: Die Teufelsfrucht. Heide-von-der-Heide-Krimi. Principal-Verlag Münster 2006. 272 Seiten. Preis: 10 Euro.

Ems Vechte Welle - So um Drei - am 11.02.2007